EMDR- und Traumatherapie

 

Erfolgsberichte der noch recht jungen Psychotherapie-Methode EMDR werden häufig skeptisch aufgenommen.
Dass mit raschen Augenbewegungen hartnäckige Beschwerden wie Ängste, Allergien und Phobien heilen und die Methode auch hilfreich gegen Alltagsstress sein soll, klingt einfach zu schön, um wahr zu sein.
Man kann doch Probleme nicht einfach weggucken?

Nein, so einfach geht es tatsächlich nicht.
Häufig vergehen mehrere Wochen an klärenden Gesprächen und Vorbereitung bis zur ersten wirklichen EMDR-Stunde. Und auch dann ist eine Wirkung nicht immer garantiert.

Die Augenbewegungen der EMDR-Methode mögen an Hypnose erinnern, zielen aber auf eine ganz andere Wirkung hin: auf die Auseinandersetzung mit dem Problem und dessen Integration sowie auf die positve Stärkung und Weiterentwicklung der betreffenden Person.
Der Effekt ist häufig überraschend: Denk- und Verhaltensmuster können sich verändern und die traumatischen Belastungen können verschwinden oder sich erheblich verringern.

Warum diese Methode wirkt, ist noch nicht ganz geklärt.
Aufgrund von Erkenntnissen aus der Neurowissenschaft wird vermutet, dass manche belastenden Ereignisse vor Schreck oder Überlastung in dem Teil des Gehirns "stecken bleiben" oder "einfrieren", in dem auch unsere Gefühle und Körperreaktionen gesteuert werden.
EMDR regt abwechselnd die linke und die rechte Gehirnhälfte an und führt so eine Verbindung vom emotionalen zum rationalen Teil des Gehirns - wo die belastende Erinnerung mit Hilfe des vernunftbegabten neueren Gehirnteils des Menschen integriert werden kann - herbei.

Die Entdeckerin der Methode:
Francine Shapiro, eine amerikanische Psychotherapeutin, bemerkte nach einer schweren Erkrankung zufällig bei einem Spaziergang im Park, dass sich ihre Augen spontan und schnell von rechts nach links und zurück bewegten, wenn sie nachdachte, und danach der vorherige negative Gedanke verschwunden war.
In der Folge entwickelte sie die EMDR-Methode, die u. A. bei Vietnam-Veteranen erforscht wurde und heute in vielen Trauma-Kliniken angewandt wird.

In Deutschland wurde EMDR Mitte der 90er Jahre bekannt und 2006 vom Wissenschaftlichen Beirat Psychotherapie als Methode zur Behandlung der posttraumatischen Belastungsstörung anerkannt.

EMDR lässt sich aber auch bei vielen anderen Problemen anwenden.